Ein Barde auf Kreta

Selbst ein Barde von Welt wie ich muss sich gelegentlich von den Strapazen des ewig andauernden Kampfes gegen die dunkle Brut von Angmar erholen. Aus diesem Grunde verließ ich Mittelerde für ein paar Tage und ging gemeinsam mit Freundin und Laute im Gepäck in einer anderen Welt auf Entdeckungsreise: Kreta.

Ben der Barde

Nach der Ankunft in dieser neuartigen und fremden Welt wollten wir uns zuerst um den sicheren Transport in unser neues, temporäres Heim bemühen. Da wir es offensichtlich mit einer Insel zu tun hatten, überlegten wir uns die Reise mit einem Boot fortzusetzen. Da der uns angebotene Kutter aber beim bloßen Hinsehen mindestens so sehr ächzte und stöhnte wie meine Instrumente wenn ich mal wieder mit einem Waffenmeister in der Gruppe bin, entschlossen wir uns ganz schnell dagegen. Ein Pferd, dachten wir uns, so wie wir es gewohnt sind. Ja, das wäre was. Nach kurzer Suche fanden wir auch tatsächlich einige Pferde, aber keinen Stallmeister. „Das Pferd wird seinen Weg schon von alleine finden“, sagte ich voller Zuversicht und schwang mich auf den Ackergaul. Als ich gerade im Begriff war ihm die Sporen zu geben erschien jemand, der wie der Stallmeister aussah. Aber er rannte geschwind auf uns zu und wedelte wie von Sinnen mit den Armen, ganz so wie ein Ork. Außerdem schrie er laut und in fremden Zungen und trug etwas in der Hand, das nach einer Stangenwaffe aussah. Da ich keine Lust hatte es genauer rauszufinden und der blöde Gaul einfach nicht loslaufen wollte (ich hätte vielleicht doch vorher ein paar Silbermünzen in seine komisch anmaßende Öffnung stecken sollen), sprang ich von ihm ab und ich nahm die Beine in die Hand um noch schnell meiner Freundin nachzukommen, die sich bereits um die Rettung ihrer Haut kümmerte. Nachdem wir genug Abstand zwischen uns und den Ork Stallmeister bedrohlich wirkenden Fremden gebracht hatten, wurde unsere Aufmerksamkeit auf ein Gefährt gelenkt, das so schnell wie 80 Pferde sein soll! Eine mechanische Kutsche, wie uns deren Stallmeister versicherte, der bereits begierig auf unser Gold wartete. Eine seltsam anmutende Konstruktion, dieses „Auto“, und nicht selten fragte ich mich, ob der schwimmende Sieb nicht doch die bessere Idee gewesen wäre.

Da bringen mich keine 10 Pferde rauf ... ... noch nicht mal Black Beauty! Ein Auto wie gemacht für einen Hobbit: Klein, aber oho!

Unser Ziel war klar: das kleine Dörchen Agia Galini an der Südküste der Insel. Da meine Kartenlese-Fertigkeit signifikant höher ist als die meiner Freundin durfte ich, wie auch in Mittelerde, den Navigator spielen. So gelang es uns bereits nach kürzester Zeit 3 Stunden den Weg in unser neues Heim zu finden, für den man gewöhnlicherweise nur halb so lange braucht. Ich gebe es zu: ich habe versagt. Während der Reise mussten diverse Passanten belästigt werden, die uns aber freundlicherweise den Weg zeigten. Da es jedoch bereits Nacht war als wir eintrafen (ich bin Barde und kein Wegweiser, verdammt!), konnten wir die Außenansicht unseres neuen Heims gar nicht in all seiner Pracht erfassen. Dafür verschlug es uns am nächsten Morgen fast die Sprache, als wir das erste Licht des Tages nutzten um den Anblick nachzuholen, für den es am Abend zuvor bereits zu spät war.

Das Hotel Neos Ikaros ... ... mit einladenen Terassen zu jedem Raum im Erdgeschoß ... ... und einer weinverhangenen Frühstücksterasse im ersten Stock.

In den nachfolgenden Tagen machten wir uns daran die Insel zu erkunden. Wir entdeckten Strände, tiefblaues Wasser, bestiegen hohe Berge und kämpften uns durch die alten Ruinen von Festos, Knossos und Agia Triada. Besonders die Ruinen seien erwähnt, denn auch hier, fern von Mittelerde, treiben die Schergen des Hexenkönigs ihr Unwesen. So begegneten wir jeder Menge Grabräuber und Unholde, getarnt als sogenannte Touristen, die ich durch mein überzeugendes Lautenspiel aber verjagen konnte. Allerdings muss sich bei einem besonders verwirrenden Lied auch meine Freundin zu nahe an mir befunden haben, denn sie bedeckte ständig ihr Gesicht und murmelte „Ich kenn Dich nicht, bleib weg“. Da erretet man sie und dann sowas. Verstehe noch einer die Frauen.

Zuerst ganz oben ... ... und dann ganz unten. Die restaurierten Ruinen von Knossos. Ein Gelehrter hätte seine wahre Freude!

Nachdem wir sämtliche Ruinen von den bösartigen Touristen der weißen Hand befreit hatten, konnten wir zwei geflügelte Statuen ausmachen, die scheinbar Gottheiten oder Helden einer längst vergangenen Epoche darstellten. Wir näherten uns ihnen mit dem entsprechenden Respekt und wurden fast von deren Erhabenheit geblendet als wir vor ihnen standen. Wir erinnerten uns an ein Lied eines zweitklassigen Möchtegern-Barden der uns, während wir unseren Schlummertrunk in einer der zahllosen Tavernen zu uns nahmen, darin von Deadalus und Ikarus erzählte und wir hatten keinen Zweifel daran, dass wir uns nun vor genau diesen befanden. Allerdings konnten wir das exakte Zeitalter der Entstehung dieser Statuen nicht ausmachen, weswegen ich sie einer näheren Untersuchung unterzog.

Hoch oben wachen Deadalus und Ikarus über Agia Galini. Gut zu sehen sind die aus der Sage bekannten Flügel. So alt und noch so knackig!

Nach all den Anstrengungen die ein Tag voller Abenteuer mit sich bringt, kümmerten wir uns abends um die Lieblingsbeschäftigung eines jeden Hobbits: ausgiebige Mahlzeiten! Jedoch vermissten wir die Küche des tänzelnden Ponys sehr, da es keine Taverne mit dieser aufnehmen konnte. So kam es, dass wir jeden Abend eine andere Taverne aufsuchten, bis wir schließlich in einer Seitenstraße die kleine unscheinbare Taverna Kosmas fanden. Diese trug den Namen ihres Besitzers, Kosmas, und war wahrlich ein Kleinod. Das servierte Essen mundet jedem Hobbit und macht selbst den dicksten Bauch noch ein Stückchen runder. Kosmas wusste – als Einziger – meine musikalischen Darbietungen zu schätzen. Schnell wurden wir treue Gefährten und er bat mich abends in seiner Taverne aufzuspielen und ihm von unsere täglichen Abenteuern zu berichten. Dies gefiel ihm wahrlich so gut, dass er uns für mehrere Stunden festhielt um ausgiebig mit uns zu feiern. Hierfür brachte er gerne seine selbst hergestellten Getränke aus dem Hinterzimmer – die edlen Tropfen der Gasthausliga sind wahrlich ein Witz dagegen. Sein Lieblingsstück wurde „Jammás, Trunkenbold“ und ließ mich dies jeden Abend spielen. Am letzten Abend gar reichte uns der gute Kosmas soviel Selbstgebranntes, dass sein Bestand rasch weniger wurde. Ich war überrascht meine Hosen nicht verloren zu haben als ich am nächsten Tag die blutunterlaufenen Augen in meinem viel zu dicken Kopf öffnete. Böse Zungen würden jetzt behaupten, Kosmas Feuerwasser würde in den Feuern des Schicksalsberges gebrannt …

Das Schild der Taverna Kosmas - nicht ganz so prächtig wie das vom Pony. Von den kleinen Dreingaben des Hauses darf man sich nicht täuschen lassen, mit dem ersten Gang explodiert der Tisch. Kosmas - Herr der 100 edlen Tropfen

Diese und noch mehr Bilder von unserer fantastischen Reise gibt es, auch in höheren Auflösungen, in meinem Album auf Flickr.

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5 Kommentare

  1. Hallo edler Barde!
     
    Ich kenne die Gegend auch gut, die du besucht hast. 2x hab ich mich schon in diese Gefilde gewagt. Auch wenn ich bis heute nicht verstehe, dass ich Gold zahlen musste um verfallen Häuser zu studieren.
     
    Aber was man nicht alles tut um alte Kulturen wieder erstrahlen zu lassen ;)
     
    Nur dein Frauchen sollte zu dir stehen und ein Liedchen zu deiner Laute anstimmen. Vielleicht hättet ihr dann in totaler Ruhe die Gegend geniesen können ;)
     
    Beste Grüße aus Azeroth von Lemmli.

    Antwort
  2. Das schaut doch nach einem super Urlaub aus – gegen das Wetter & Meer hätte ich gerade auch nichts einzuwenden.

    Antwort
  3. @Lemmli: Wie klein die Welt doch ist! Also diese hier, nicht die andere. Nein die auch nicht … hm, ja, die da drüben vielleicht auch.Keine Sorge, mein geliebtes Elbenweib stand sogar sehr hinter mir, war sie es doch, die mich beim Kauf der Laute unterstützte. Leider gab’s die Laute nicht mit dem nötigen Talent im Kombipaket.@HerrK: Ich kann’s wirklich nur empfehlen. Bei der immer größer werdenden Touristikbranche in Griechenland bietet zumindest das südliche Kreta noch genug Möglichkeiten für individuell Reisende, ganz abseits von All Inclusive und organisierten Ausflügen im Stundentankt.

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  4. Ich hab mich übrigens auch auf meinen Reisen ins südliche Kreta gewagt, so als Tagestour. Ich war überrascht, das es dort komischerweise weniger Tourismus gibt wie im Norden. Ich hatte jedenfalls den Eindruck.Ein Trip dahin lohnt sich auf jedenfall denk ich mal.

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  5. @Lemmi: Warum dort nur mäßiger Tourismus betrieben wird, kann auch ich Dir leider nicht sagen. Ist aber auf jeden Fall wesentlich angenehmer so und ein Aufenthalt im Süden ist mehr als nur empfehlenswert ;-)

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