Zieh, Fremder!

Als ich letztens mal so an mir hinunterblickte wurde mir klar, dass ich dringend was an meinem Outfit ändern muss. Teilweise noch Kleidungsstücke von vorgestern, total out. Ein Schurke von Welt trägt nach nunmehr 3 Monaten Level 70 einfach keine [item]28204de[/item] mehr. Also beim Lederlehrer Zeitschriftenhändler meines Vertrauens nach der letzten Ausgabe von „Whisper! Mich! An!“ gefragt – einem (zugegeben dubiosen) Katalog für alle, die bevorzugt Lack und Leder tragen, nicht nur aus beruflichen Gründen.

Nach ein bisschen vorwärts und rückwärts blättern bin ich dann auch fündig geworden – der [item]28601de[/item] soll es sein! Als mir dann aber auffiel, dass dieser nur noch über den etwas cholerischen Lieferanten mit dem Namen „Schrecken der Nacht“ zu bekommen ist habe ich den Katalog lieber noch einige Male durchgeblättert – und natürlich bei der nachtelfischen Playdruidin Miss Dezember immer wieder mal eine Pause eingelegt. Irgendwann habe ich den beigelegten Sammelkarten doch mal Beachtung geschenkt. Auf denen waren Lederklamotten zum Selbermachen geführt, mit der entsprechenden Bauanleitung. Und siehe da – auf einer davon gab es auch das Muster für die [item]Erstschlagweste[/item]! Lecker Dingens, dass auch für meine bescheidenen Verhältnisse in Frage kommt. Obwohl – so ganz ohne ist das Muster ja auch nicht. Immerhin wollen da 6 Urmacht vernäht werden. Für einen Pessimisten wie mich klingt das also nicht nach „Nur 6 Urmacht“ sondern mehr nach „Gottverdammte Scheisse, 300 Partikel!“ – auf, auf an’s Werk, Langohr.

Was die Urelemente angeht, ist ja die Urluft mein absoluter Favorit – in Bezug auf Brechreiz. Keines der insgesamt 7 Urelemente farme ich mit mehr Abscheu, da bei sonst keinem die Partikel derart miese Zicken machen bei der Droprate. Getreu dem Grundsatz „Das Beste kommt immer zum Schluss“ beginne ich meine Sammelaktion im Schattenmondtal, als Ziel die personifizierten Wirbelstürme. Kurz nach meiner Landung bekomme ich auch schon den ersten Windbeutel zu Gesicht und beginne mit meinem Rezept für einen schnellen Tod:

  1. Verstohlenheit
  2. Ablenken
  3. Fieser Trick
  4. Verstümmeln
  5. Nierenhieb
  6. Verstümmeln
  7. Verstümmeln
  8. Ausweiden
  9. Looten

First Kill, first Drop! 2 Luftpartikel! Gott Blizzard liebt mich! Heute ist ein guter Tag für Luft in Tüten – dachte ich zumindest. Die nächsten 15 Kills verlaufen komplett partikellos. Aber so schnell geb ich nicht auf – was weniger an meinem Ehrgeiz liegt, sondern viel mehr daran, dass ich nicht gewillt bin 600 Gold für die Urmächte auszugeben. Also das nächste Opfer gesucht (und auch gefunden), unsichtbar gemacht, abgelenkt (funktioniert prima um Mobs in jede erdenkliche Richtung zu drehen), von hinten angeschlichen und …

Plötzlich verdunkelt sich der Himmel über mir. Ein Omen? Sollte ich lieber nicht zustechen? Noch bevor ich verstehe was passiert, und mein Ziel mit einem fiesen Trick handlungsunfähig machen kann, landet ein gnomischer Magier neben mir und knüppelt meinem Partikelträger eine arkane Explosion vor den Latz. Mir wird klar: die Verdunkelungsaktion kam von dem Netherdrachen des verehrten Herrn Gnom, in dessen Schatten ich mich aufhielt. Gut, ok, ich war unsichtbar. Er konnte mich wegen meiner Verstohlenheit nicht sehen und mir deshalb auch den Mob nicht lassen. Hatte ich halt Pech. Dann such ich mir eben einen anderen.

Während der Gartenzwerg Gnom also mit seinem Wirbel beschäftigt ist laufe ich an ihm vorbei (vorher mache ich mich sichtbar und setze nochmal ein /hi in seine Richtung ab um sicherzustellen, dass er mich auch bemerkt) um mir zumindest den nächsten Mob sichern zu können. Aber noch während ich laufe überholt mich ein Frostblitz. Nett, wirklich … nett. Der Kerl hat das komplette Frostfeuer T4-Set, fliegt einen Netherdrachen, vermutlich 11000 Gold auf der Bank und höchstwahrscheinlich einen Schwengel von 80cm Länge und gönnt mir nicht mal einen verfluchten Wirbelwind? Gut ok, ich resigniere und lasse ihn auf diesem Landstrich alleine und ziehe weiter.

Einige Meter weiter vorne, weit und breit keine anderen Spieler, versuche ich mein Glück erneut. Also ab in die Verstohlenheit, das Ziel abgelenkt, die letzten paar Schritte an den Mob herangeschlichen und einem Feuerball dabei zugesehen wie er mein Ziel in tausend Stücke zerfetzt. Hätte ich als Schurke einen Wutbalken, dann wäre dieser zu dem Zeitpunkt voll gewesen, eventuell sogar geplatzt. Aber am Rande der Scherbenwelt hört dich nun mal keiner schreien – in deiner Wohnung dagegen schon.

Gut, Planänderung. Da meine Verstohlenheit anscheinend so unglaublich imba ist, dass mich der Magier nie zu dem Mob hinlaufen sieht, probieren wir es auf die Jägerart – ab jetzt wird mit der Wurfwaffe gepullt. Sah dann ungefähr so aus:

  1. Ziel sondieren
  2. Ziel sondieren
  3. Ziel sondieren
  4. Euer Ziel muss sich vor Euch befinden
  5. Ziel sondieren
  6. Ziel sondieren
  7. Ziel ausser Reichweite
  8. Position korrigieren
  9. Ziel sondieren
  10. Frostblitz beim Vorbeifliegen zuschauen
  11. Wurf
  12. Anfall bekommen

Die nachfolgende Konversation lässt sich auf die Elemente /beschimpfen, /beleidigen, /verdammnis und /verscheuchen begrenzen – zugegeben, ein /fart war auch dabei. Da wir aber alle erwachsene Menschen sind, und nicht gleich wegen derartiger Kleinigkeiten einen GM verständigen, packe ich ihn lediglich auf /ignore. Der soll ruhig mal in Shattrath nach einem Schurken schreien, der ihm Kisten öffnet. Meine flinken Finger machen für den sicher nichts. Nach dieser Aktion erhebe ich mich mit meinem Greifen in die Lüfte und parke ein paar Meter über dem Boden. Schließlich will ich mich nicht mit der Fresse im Dreck wiederfinden, wenn ich von der dringend benötigten Raucherpause zurückkomme.

Bei meiner Rückkehr offenbart sich mir auf meinem Bildschirm die Apokalypse – alles voller geplünderter Leichen und in der Mitte ein winziger Gnom, auf den Respawn wartend. „Das wird heute nichts mehr“ sage ich mir selber und beschließe mir einen Farmspot mit etwas angenehmerem Ambiente zu suchen. Ich gebe mich also geschlagen und fliege nach Nagrand – Wasserpartikel auf dem Elementarplateau sollen es sein. Und wie es der Zufall so will bin ich der einzige Spieler zwischen einem Heer aus Sprudelburschen. Schnell packe ich mir einen in’s Target und verschwinde im Schatten.

Anmutig, wie ein Schurke nunmal ist, schleiche ich mich mit Bedacht hinter den Mob um meine Greueltaten an ihm auszuführen und dann … verdunkelt sich der Himmel über mir. Ein Fall. Ein Gnom. Ein Frostfeuer T4-Set. Eine arkane Explosion. Wie erstarrt steh ich da und sehe dem dreckigen Bastard selbstüchtigen Spieler zu, wie er mir das Leben zur Hölle macht. Arkane Explosion jagt Frostblitz jagt Feuerball – Tick um Tick verballert er sein Mana in den armen Seewoger, bis dieser sich schlussendlich in seine Bestandteile auflöst und nichts weiter übrig lässt als eine Pfütze in der seine elementaren Armschienen liegen.

Nahezu fassungslos und dem Wahnsinn nahe musste ich das ganze Schauspiel mit ansehen. Geradezu herausfordernd wirkt es, als der Gnom mir seinen Hintern beim Plündern des Mobs entgegenstreckt – und ich ertappe mich selbst dabei wie ich der Versuchung nachgebe …

Er wollte es so!
Fotomontage: Es kamen nie irgendwelche Gnome zu Schaden! Leider …

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6 Kommentare

  1. Das Bild ist genial. *tränenwegwisch* Und ich kenne da einen Gnom dem das Bild aber nicht so gefallen wird.

    Antwort
  2. Ich musste herzlich lachen über die Geschichte.

    Aber an Femin: „Sind sie zu stark, bist du zu schwach…“.
    Gnome nehmen keine Rücksicht, weil wer nimmt schon Rücksicht auf uns Gnome?

    Die Spielmechanik bietet aber einen riesen Vorteil in BC: Respawn-Zeit ist abhängig von der Kill-Frequenz. Je mehr Elementare in dem Gebiet gekillt werden, desto schneller spawnen neue.

    Teilweise stelle ich mich einfach an eine Stelle mit 2-3 Elementaren im Zugriff und „warte“ auf den Respawn. Ist sehr viel los, respawnen diese teilweise direkt nach dem Kill.

    Antwort
  3. @Shirania: Schön, dass es Dir gefällt. Aber ich bin mir sicher, dass mir unser verehrter Calaelen diesen kleinen Spaß sicherlich nachsehen wird ;-)

    @Calaelen: Damit hast Du leider recht, gegen sämtliche Arten von Castern habe ich keine Chance – weder im PvP noch beim Farmen. Aber, dass auf Gnome keine Rücksicht genommen wird, würde ich so jetzt nicht behaupten. Habe ja selber eine kleine Gnomin in deren Haut ich ab und zu gerne schlüpfe. Und eine hohe Frequenz beim Respawn hilft mir persönlich leider nicht sehr viel, da ich einfach zu langsam bin. Als Kampfschurke war das alles noch irgendwie einfacher, da musste ich nciht soviel schleichen und konnte mich einfach in’s Getümmel stürzen. Egal, inzwischen hab ich 5 Urmächte und ein Urnether, ich hab es fast geschafft ;-)

    Antwort
  4. Bisher sind mir solche Erfahrungen erspart geblieben – aber ich wäre da irgendwann so dermaßen in die Luft gegangen und hätte den Vollspaten ziemlich… beleidigt ^^
    Dennoch, wenn du immer so lustige Einträge hier schreibst, hoffe ich, dass dir noch oft solche fiesen Dinge passieren (na, nicht wirklich, aber dieser Eintrag ist sowas von genial geschrieben *kicher*).

    Antwort
  5. Genials Bild ;)

    Ich glaub du würdest genauso / noch mehr kotzen wenn ich ae pullen mit meinem GNOM-Hexer machen würde ;) alles doten und warten… looten, aber sonst gz zu deinen Urmacht + Nether.

    so long

    Jumpie @ Aman’Thul

    Antwort
  6. @Jumpie: Gnomenhexer sind sehr pöhse, sehr sehr pöhse Purchen …

    Antwort

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